HOLLYWOODS ORIENT
George Tabori : Tod in Port Aarif
Von Dr. Ischrak Kamaluldin
Zu George Taboris achtzigsten Geburtstag ist sein Roman TOD IN PORT AARIF in deutscher Übersetzung erschienen. Zum zweiten Mal präsentiert der Steidl Verlag den berühmten und vielfach preisgekrönten Dramatiker und Theaterregisseur dem deutschen Lesepublikum als Autor langer Erzählprosa. Wieder ist es ein über vierzig Jahre alter Roman. TOD IN PORT AARIF entstand zwischen 1947 und 1950, als Tabori in Hollywood für MGM und Warner Brothers als Drehbuchautor arbeitete.
Die Nähe zum Film ist dem Roman von der ersten Seite an abzulesen. Ein exotischer Handlungsort dient als Kulisse für eine schnellgeschnittene Kette von Ereignissen. Ein begrenzter Satz typisierter Figuren ist auch wenige, leicht erfaßbare Konflikte vernetzt. Der ungarische Arzt Varga trifft in einer arabischen Hafenstadt ein, um den despotischen, allseits verhaßten Gouverneur El Bekkaa zu operieren. Varga verliebt sich in die kühle und strenge Krankenschwester Pamela Vaughan, die Tochter des englischen Botschafters. Den Schergen El Bekkaas gelingt es zur selben Zeit, den tapferen Revolutionär Marouf gefangenzunehmen. Mit Hilfe einiger Intrigen, mit überraschenden Wendungen mit viel Liebe, Sex und Gewalt entsteht ein melodramatisches Abenteuergeschehen von malerisch exotischem Hintergrund.
Der Orient, den Tabori dabei schildert, ist eine meist geschickte, manchmal aber auch allzu plumpe Montage gängiger Klischees. Der Autor steht hier ganz in der Tradition des europäischen Orientalismus. Er arbeitet mit den gleichen Versatzstücken wie zahllose Abenteuerromanautoren und Drehbuchschreiber vor und nach ihm. Der Muezzin muß gleich mehrmals vom Minarett rufen. Die Stellen, an denen immer wieder die Wüste, die Hitze, die obligatorischen Kamele und Esel, der Basar oder der Bauchtanz zu Hilfe genommen werden, sind kaum zu zählen.
Dagegen ist wenig einzuwenden. Warum sollen Hollywood und die europäische und amerikanische Literatur nicht ihr altes immergleiches Märchen aus Tausendundeiner Nacht erzählen? Bedenklich wird dieses Verfahren allerdings dort, wo sich der Text zum kritischen Zeitroman aufschwingen will. Die dürftige Fabel und die klischeehaften Figuren taugen nicht dazu, die komplexe und widerspruchsreiche Nachkriegszeit des Nahen Ostens in eine Romanhandlung umzusetzen. Dieser Orient hat seine Berechtigung in Hollywood. Er hilft uns wenig dabei, die Vorgeschichte und die heutige Realität dieser wichtigen Region unserer enggewordenen Welt zu begreifen.
Tuesday, December 4, 2007
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